Das Bild der Seeleute in der Frühen Neuzeit

Sowohl in Text-, als auch in den Bildquellen werden Seeleute immer wieder erwähnt. Hier soll kurz ein Überblick über die Wahrnehmung und kulturelle Inszenierung der Seeleute in der Frühen Neuzeit gegeben werden.

In vielen Quellen werden Seeleute als stereotype Gruppe ebenso charakterisiert, wie sie über ihre Charakterisierung hinaus durch diese gleichzeitig auch den Hafen, bzw. die Vorstellung von diesem prägen, da sie mit all ihren Konnotationen Teil des Hafens sind.

Wenn von Seeleuten die Rede ist, so müssen drei Unterscheidungen getroffen werden. Die erste betrifft den Unterschied zwischen Seeleuten im Hafen, bzw. an Land und Seeleuten auf See. Gerade erstere sind für die Thematik des Vereins interessant, fokussieren wir uns doch auf den Hafen als sozialen und kulturellen Kontakraum. Der zweite Unterschied besteht in der Differenzierung dieser Berufs- und Personengruppe und der anhänglichen Milieus.
Die höheren Ränge in der Hierarchie, Kapitän, Steuermann, See-Offiziere aber auch Wundärzte und Zimmerleute, sind tendenziell anders belegt als die Mannschaften, die einfachen Matrosen, die Bootsknechte. Erstere sind eher positiv konnotiert, stehen für Fachwissen, Mut, Führungsqualitäten und werden stellenweise (vor allem im Gegensatz zu einfachen Matrosen) sogar als weltgewandt, gesittet und hilfsbereit wahrgenommen.

Dies ist nicht verwunderlich, inszenieren sie sich doch, allein schon aus wirtschaftlichem Interesse, den „Landratten“ gegenüber anders.
Hier soll es allerdings vor allem um die einfachen Matrosen gehen. Diese sind, wie erwähnt, eher negativ belegt. Natürlich kann auch dieses Bild in bestimmten Situationen und aufgrund bestimmter Intentionen umgekehrt sein, besonders wenn es um die Wahrnehmung der englischen Kriegsmarine und ihrer Praktiken im Umgang mit Matrosen geht.
Ein weiterer Unterschied besteht zwischen den weit- und fernreisenden Matrosen. Bei letzteren sind es besonders die Ostindienfahrer, auf die sich der Blick der Zeitgenossen richtet. Diese sind es zugleich, die besonders negativ wahrgenommen werden. Einen ersten Eindruck der Wahrnehmung von Matrosen bietet Krünitz in seinem zeitgenössischen Lexikon, anhand dessen Definition die Charakterisierungen weiter ausgebaut werden:

„Hier folgen übrigens noch einige Züge zur Schilderung der Eigenthümlichkeiten dieser im Grunde wenig bekannten Menschenclasse.
Was den Matrosen am meisten characterisirt, ist eine Verachtung der ganzen übrigen Welt. Außer seinem Capitän und seinem Rheder sind ihm alle übrigen Autoritäten lächerlich. […]
Sein Schiff ist ihm seine eigentliche Heimath, sein Eigenthum und sein Vaterland.“ (Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Band 1-242, Berlin 1773-1858. Online-Version: http://www.kruenitz1.uni-trier.de. Eintrag „Matrose“)

Die Charakterisierung beginnt damit, sie als eigene, stereotyp zu beschreibende Gruppe zu erklären, die sich noch dazu wenig um Autoritäten außerhalb ihrer Berufswelt kümmern, sich in gewisser Weise also Konventionen entziehen. Dies stimmt mit den im Abschnitt der Unordnung erwähnten Fällen recht genau überein. So betrügen und drangsalieren sie die Landbewohner und sind so als ein Element der Unordnung anzusehen. Ebenso wird deutlich, dass die Seeleute als dem Meer zugehörig gedacht werden. Durch ihre „Verbannung“ auf das Meer können sie schnell die Konnotationen von diesem übernehmen. Sie werden als spezielle Gruppe, spezielles Milieu wahrgenommen und gelten als wild und ungestüm:

„Ihre wilde Energie, ihre stürmische Heftigkeit gleicht dem Elemente, auf welchem sie leben.“ (Krünitz)

Zu dieser Charakterisierung als chaotische und wilde, homogen wahrgenommen Gruppe, gesellen sich noch allerhand weitere, vor allem negativ bewertete Eigenarten, deren erste das exzessive Trinken ist:

„Ein rechter Matrose sieht das Land nur als ein Wirthshaus an, wo er dann und wann einzukehren pflegt. […] Guter Wind, und doppelte Rationen Speck; Taback und Branntwein, so viel er haben will, — und alle seine Wünsche sind befriedigt. Welche Dienste man auch von ihm fordert, er ist immer bereit, wenn man nur den Taback und die Flasche nicht vergißt. Diesen Ueberredungen kann kein Matrose widerstehen.“ (Krünitz)

Seemann

Besonders der sich bis zur Zügellosigkeit steigende Alkoholkonsum und die daraus entstehenden Probleme sind immer wieder Thema.
So loyal und strebsam der Matrose in Krünitz Beschreibung auch scheint, so gegenteilig ist er, wenn die entsprechende „Bezahlung“ mit Alkohol fehlt, so dass zum Teil empfohlen wird, immer etwas Alkohol für die Matrosen auf Reisen mitzunehmen. (Willebrand, Johann Peter: Des Herrn Johannn Peter Willebrand historische Berichte und Practische Anmerkungen auf Reisen in Deutschland und andern Ländern, Leipzig 1769, S. 201.) Die Trunksucht ist ihre vornehme Beschäftigung und eines der maßgeblichen Charakteristika. Nettelbeck bringt dies auf den Punkt, wenn er schreibt:

„[…] erschien auch ein Trupp betrunkener Matrosen. […] Dies lustige Leben schien die gewöhnliche Tagesarbeit aller zu sein.“ (Nettelbeck, Joachim: Ein abenteuerliches Lebensbild von ihm selbst erzählt, Rudolstadt 1953. S. 109f.)

Rekonstruktion verschiedener Genrebilder

Wie Krünitz bereits schreibt, soll die See ihr zu Hause sein und der Hafen nur eine Zwischenstation, eine Ausnahmesituation, mit der auch real Seeleute viele schwer umgehen können. Besonders der Umgang mit Geld fällt ihnen dabei schwer. In diesem Zusammenhang ist die Beschreibung Rouppes zu sehen:

„Wenn das Faß geleert ist, verkaufen sie ihre Kleidung, ihre Hängematten und anderes, was sie entbehren zu können glauben, und kaufen sich dafür berauschende Getränke. […] Es sind auch noch einige an Land so schlecht ernährt, daß sie über die zugeteilten Lebensmittel hinaus gierig noch mehr hinunterschlingen, und sie stopfen ihren Magen damit so voll, daß sie oftmals genötigt sind, ihn durch Erbrechen zu entleeren. […] Wenn das Schiff für einige Zeit in einem fremden Hafen liegt, werden den Matrosen Geld, Tabak und auch Kleidung ausgeteilt. […] wenn ihnen dann zufällig etwas übrig bleibt, kaufen sie alsbald dafür Weinbrand oder ein anderes alkoholisches Getränk und berauschen sich. Tabak und Kleidung, die sie bekommen, verkaufen sie wieder den Frachtschiffern, die auf kleinen Kähnen Nahrungsmittel oder frische Früchte und auch berauschende Getränke anbieten, oder tauschen sie gegen irgendwelche Sachen ein […].“ (Schmitt, Eberhard (Hrsg.): Indienfahrer 2. Seeleute und Leben an Bord im Ersten Kolonialzeitalter (15. bis 18. Jahrhundert). Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion Band 7, Wiesbaden 2008. S. 311)

Der Hafen ist für Matrosen durch Freizeit gekennzeichnet, in der sie dem Alltag auf dem Schiff kurz entkommen können und die Entbehrungen kompensieren. Dies führt dazu, dass sie im Hafen wie in einen Rausch verfallen wahrgenommen werden. Dabei darf ebenso nicht vergessen werden, dass Alkohol nicht zuletzt auch als Mittel zur Ruhigstellung der Matrosen eingesetzt wurde, wodurch ein Alkoholismus kaum vermeidlich war. Diesem bleiben sie auch noch nach der Dienstzeit auf See verhaftet. Gepaart mit der Ausnahmesituation und dem Unvermögen mit dem an Bord von Schiffen unnötigen Geld umzugehen, führt dieser dann zu diesen Extremen, die an Land durch Schankhäuser, sowie durch Kreditgeber begünstigt werden. Ebenfalls wird dies allerdings auch von obrigkeitlicher Seite gefördert mit dem Verweis darauf, dass je eher die Matrosen ihr Geld los sind, sie auch umso eher wieder anheuern und somit verfügbar sind.
Durch die Schankhäuser und Exzesse der Matrosen ist der „hässliche“ Teil des Hafens, der eben auch auf diese Bedürfnisse ausgelegt ist, in der Wahrnehmung geprägt.
Zu diesen Bedürfnissen gehört auch der Umgang mit Frauen und damit in der Regel mit Prostituierten. Auch dieser Umgang wird dabei obrigkeitlich gefördert. Grund dafür ist u.a. die Angst vor Ausschreitungen oder Belästigungen „ehrbarer“ Frauen.
Zur Trunksucht und sexuellen Umtrieben gesellen sich weitere Eigenarten. Neben dem Aberglauben ist es ihre Sprache, die es aufgrund ihrer Eigenheit einfach macht, sie als homogene Gruppe wahrzunehmen. Vor allem sind dabei die in der Seemannssprache zu Hauf enthaltenen Flüche und Gotteslästerungen bemerkenswert.

Neben Trunksucht und Gotteslästerungen stehen Seeleute auch oft mit Gewalt im Zusammenhang. Sie sind dabei sowohl Opfer als auch Täter.
Das Gewaltmoment taucht immer wieder sowohl in Selbstzeugnissen (vornehmlich von Seefahrenden), als auch in fiktionaler Literatur auf. Besonders dort wird die Gewalt an den Seeleuten aber auch die der Seeleute immer wieder thematisiert.

Besonders interessant ist die Art wie in fiktionalen Quellen Seeleute inszeniert werden.
In Smolletts „Die Abenteuer des Roderick Random werden diese zwar durchaus vielseitiger beschrieben, was sicherlich an seiner eigenen Erfahrung als Schiffsarzt und damit seiner Nähe zum maritimen Bereich liegt, jedoch sind auch hier bestimmte Charakterisierungen vorhanden, die sowohl auf alle Seeleute in seinem Werk zuzutreffen scheinen, als auch mit den Erfahrungen in den Reiseberichten und Lebensbeschreibungen einher gehen. Dazu gehören die gewalttätige Lebensweise, wobei die Seeleute auch hier einerseits als Opfer, andererseits als Täter inszeniert werden.
Jedoch muss hier besonders beachtet werden, wer beschrieben wird. Die Protagonisten sind selten einfache Matrosen, sondern vielmehr Schiffskapitäne oder -offiziere. Einfache Matrosen tauchen meist nur am Rande auf. In Defoes „Kapitän Singleton liest sich deren Charakterisierung wie folgt:

„Stehlen, Lügen, Fluchen und Meineide schwören, zusammen mit der abscheulichsten Unzüchtigkeit, gehörten zu den regelmäßigen Gewohnheiten der Schiffmannschaft; dazu kam, daß die Leute die unerträglichsten Prahlereien über ihren eigenen Mut von sich gaben und dabei im allgemeinen die größten Feiglinge waren, denen ich begegnet bin.“

Auch in Melville’s „Redburn“ sind die Matrosen durch diese Exzesse charakterisiert, jedoch wirbt dieser ebenso für Verständnis für deren Lebenssituation, die zusammen mit dem Mangel an Achtung, den man diesen entgegenbringt ursächlich für diese Lebensweise ist.
In Melvilles Augen werden die Seeleute letztlich in dieses Bild gedrängt, sie werden im Hafen betrogen, ausgenommen, missachtet und in die lasterhaften Bereiche „verbannt“.
Ebenso ein gewisses Verständnis, dass sich aus den schwierigen Lebensumständen dieses Berufsfeldes ergibt lässt sich im Lustspiel „Der Ostindienfahrer“ finden. Hierbei ist der Ostindienfahrer Stüben durchaus als tugendhafte Gestalt zu erkennen. Allerdings ist er ebenso als Seemann charakterisiert. So ist seine erst durch Lebenserfahrung überwundene Einfalt ursächlich für seinen Eintritt ins Seemannsleben. Ebenso wird ihm ein stürmisches und feuriges Gemüt zugesprochen, das mit seinem Beruf und seinem Aufenthalt in Ostindien erklärt wird, unterstellt. Dieses Seeleuten unterstellte Gemüt, dass sie mit dem Meer verbindet, zeigt die gezielte Auswahl durch den Autor, ist doch das Unbesonnene und Stürmische ursächlich für Teile des Konfliktes und der illustren Missverständnisse, mit denen in diesem Werk gespielt wird. Auch bleibt trotz des im Grunde vergleichsweise positiven Beispiels eines Seemanns mit Stüben der Grundtenor der Personen in diesem Stück der vom Ostindienfahrer als latent gewalttätig, fluchend und exzessiv trinkend, auch wenn dies auf den Protagonisten eher weniger zutrifft.

Auch bildlich wird diese Vorstellung von Seeleuten verarbeitet. Exemplarisch werden im Folgenden drei Abbildungen untersucht.
Bei der ersten handelt es sich um ein Werk Dusarts von 1695. Es zeigt einen Ostindienfahrer und eine Prostituierte, die augenscheinlich sehr vergnügt miteinander sind. Das Tanzen der beiden ist aber nicht nur sinnbildlich für das Vergnügen. Der Tanzstil der Matrosen gilt als besonders freizügig und anstößig und soll somit den zu erweckenden Eindruck verstärken.
Die Bildunterschrift verweist auf ihren gleichen Charakter und lautet: „Gelijk van aard is wel gepaard“ (in etwa: „Gleich von Art ist gut gepaart“).
Die Trunksucht lässt sich spätestens an der halbvollen Flasche in der rechten Hand des Seemanns erkennen. Obwohl das Messer wichtiges Werkzeug für den Seemann war, so ist es doch im Bild, aufgrund seiner offenen Darstellung, als Verweis auf die Gewalttätigkeit dieses Milieus deutbar, wobei auch eine phallische Symbolik nicht gänzlich auszuschließen ist. Da das Schiff im Hintergrund unter vollen Segeln steht, kann dieses als Verweis auf das ständige Kommen und Gehen, die Unstetigkeit, die dieser Beruf mit sich bringt interpretiert werden.
Die stürmische See, mit der die Seeleute in Verbindung gebracht werden, könnte in der Bildintention über diese Unruhe auch den stürmischen Charakter der Seeleute andeuten. Zudem symbolisiert das Meer in holländischen Genrebildern nicht selten auch die Liebe (dementsprechend stürmisch ist es dargestellt), während das Schiff die Liebenden bedeutet. Mit einer solchen Interpretation verstärkt sich der Verweis auf den sexuellen, umtriebigen Charakter der dargestellten Personengruppe.
Das Bild entspricht somit recht genau einer(!) der verbreiteten Vorstellungen vom Seemann, insbesondere von Ostindienfahrern.

Das gleiche Motiv taucht nun knappe hundert Jahre später in nahezu unveränderter Weise erneut im Bild auf. Diesmal handelt es sich um ein Teilensemble in einem Gemälde Koekkoeks.
Auch hier ist der Seemann (auch wieder ein Ostindienfahrer) beim Tanz mit einer jungen Dame, diesmal allerdings nicht eindeutig als Prostituierte zu erkennen und einer Flasche Alkohol zu sehen. Körperhaltung und Szenerie dieses Ausschnitts weisen eine verblüffende Ähnlichkeit auf, was sich auf eine nahezu unveränderte Vorstellung vom Seemann im Hafen zurückzuführen lässt. Diese Variante des Hafens als „Kontaktraum“ wird zusätzlich durch ein weiteres Bildelement verstärkt, das im gleichen Gemälde einen Seemann mit einer stillenden Frau zeigt. Auch wenn hier die Prostitution nicht unbedingt dargestellt ist, so bedeutet dies aber nicht zwangsläufig im zeitgenössischen Sinne sittliches Verhalten. Das ist im Zusammenhang mit dem Gesamtensemble der Szene auch nicht zu erwarten. Vielmehr könnte es sich hier eher um die andere Form der Unzucht handeln, die auch Melville in seinem Werk anspricht und die darin besteht, dass sich Matrosen in verschiedenen Häfen jeweils andere Ehefrauen „zugelegt“ haben sollen.

Abgeschlossen wird diese Reihe durch eine Radierung Jakob Genslers von 1842, die Matrosen vor dem Hamburger Boardinghaus zeigt.
Auch hier sind die als typisch anzusehenden Attribute zu finden: Tabakspfeife, Alkohol und ein „leichtes Mädchen“. Der maßgebliche Unterschied besteht hier praktisch nur darin, dass die Matrosen nicht tanzen, dafür aber in einer Gemütlichkeit dargestellt werden, die als Müßiggang und Faulheit interpretiert werden kann.

Freilich entspricht auch dies nicht dem Ideal, wie man es für Seeleute gern hätte. So gibt es durchaus Versuche, diesem Missstand Abhilfe zu schaffen, die aber ebenso Auskunft darüber geben, mit welchen Missständen man sich konfrontiert sah.
Weiter in die Materie soll hier aber nicht eingedrungen werden. Es reicht, der Vollständigkeit halber zu erwähnen, dass neben diesem Bild vom Seemann durchaus sowohl auch positive Assoziationen existieren, als auch Versuche den negativen Verhaltensweisen Einhalt zu gebieten. In der Mehrzahl überwiegen auf den Landgang bezogen in den Quellen aber die negativen Assoziationen.
Generell ist nun festzustellen, dass Seeleute als eigener Menschenschlag wahrgenommen werden, was sich vor allem in Dingen wie der ihnen eigenen Sprache und ihren als spezielle Eigenarten empfundenen Verhaltensweisen zeigt, denen mit Verständnis über Verwunderung bis hin zu offener Ablehnung begegnet wird. Kern bleibt dabei aber ihre Andersartigkeit, die sie, gepaart mit weitestgehendem Unwissen über ihre wirklichen Lebensumstände, für allerhand Assoziationen prädestiniert. So sind dem Zeitgenossen gemeinhin die wichtigen Funktionen der Hurenweiber und Hurenhäuser für die Lebenswelt der Matrosen unbekannt oder können aufgrund sittlicher Vorstellungen nicht gewürdigt werden. So fungieren Hurenhäuser beispielsweise als Posthäuser der einfachen Seeleute, die Prostituierten verwalten zum Teil das Geld der Matrosen und bilden einen Familienersatz und sozialen Halt in der Ferne, da nicht selten Matrosen und Prostituierte eheähnliche Beziehungen eingingen.

Die einfachen Seeleute, besonders jedoch die Ostindienfahrer, werden in den vorliegenden Quellen sehr stereotyp wahrgenommen und charakterisiert. Vor allem negative Eigenschaften wie Trunksucht, Gewalttätigkeit und Sittenlosigkeit werden ihnen zugesprochen. Ein Seemann verkörpert, konnotiert all dies in den Augen der Zeitgenossen.

 

Allerdings muss trotz dem anscheinend einmütigen Bild ausdrücklich davor gewarnt werden, diese Beschreibungen als „realitätsabbildend“ zu interpretieren. Die Quellen geben lediglich eine(!) Interpretation(!), die sich anhand bestimmter Wertvorstellungen und weitestgehendem Unwissen orientiert, wieder. Das vor allem Negatives vorkommt, liegt auch hier daran, dass oft auf genau diese stereotype Beschreibung durch Dritte fokussiert wird.

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